Arzt des Waldes

Der Bär ist ein besonderes Tier.

Seit der Steinzeit und bis ins Mittelalter hinein beeindruckte Meister Petz die Menschen der Nordhalbkugel mehr als die meisten anderen Wildtiere. Er schickte Schamanen und Medizinleuten Träume und Inspirationen, gab den Berserker-Kriegern Kraft und vermittelte den Heiler Wissen über die Heilkräfte aus der Natur.

Von vielen Völkern wurde der Bär sogar als Gott verehrt oder als Tier der Götter. Er galt manchen frühen Stämmen als mit dem Menschen verwandt und wem er im Traum erschien, der schätzte sich glücklich. Diese Wertschätzung des Bären gab es nicht nur bei den indianischen Ureinwohner, die sich generell mit den Wildtieren eng verbunden fühlten, sondern auch für die europäischen Völkern von der Steinzeit bis zur Antike. Es gab einen wahren Bärenkult, von dem es noch einige restliche keltische Riten, zum Beispiel der Kornbär im Süddeutschen Raum, zeugen.

Durch das aufstrebende Christentum, welches jede Art von Götter- oder Naturglauben bekämpfte, wurden die alten Bärenmythen verboten. Der Bär, einstiger „König der Wälder“ wurde als wildes Tier, als Bestie verteufelt, als Vasall des Teufels bezeichnet. Er wurde rücksichtslos gejagt, vielerorts ausgerottet. Fortan war Schluss mit dem friedlichen und respektvollen Zusammenleben zwischen Bär und Mensch.

In Vergessenheit geriet auch das besondere Wissen des Bären, das Menschen der Frühzeit sich bereits seit Jahrtausenden abgeschaut haben, wie seine faszinierende Fähigkeit als Heiler unter den Tieren. So besitzt der Bär als Meister der Botanik ein breites Wissen über Kräuter und Heilerden. 🧴 Seine Nase ist mindestens so gut wie die eines Spürhundes und er weiß genau, welches Kraut, welche Rinde, welches Blatt, welche Erde ihm bei welcher Krankheit hilft.

Des Bären legendärer Winterschlaf, bei dem er anders als andere Tiere nicht in eine Starre fällt, wird von bestimmten Kräuterkuren eingeleitet und auch beendet. So sucht sich Meister Petz im Herbst ein Schlafkraut, dass ihn in den Dornrösschenschlaf versetzt.

Wenn der Frühling kommt, und der Bär aus seinem Winterschlummer erwacht, hat er ein Drittel seines Körpergewichts verloren. Sobald er seinen Durst gelöscht hat, sucht er sich gezielt abführende Kräuter um seine Verdauung und Entgiftung nach der langen Ruhezeit in Gang zu setzen. So nimmt der die Christrose (Helleborus) als abführendes und kreislaufförderndes Kraut ein.

Auch Bachehrenpreis, Brunnenkresse, Vogelmiere, Sauerampfer und wilde Zwiebel gehören zu seinen ersten Malzeiten nach dem Winterschlaf. Mit diesen Kräutern machten auch unsere Vorfahren ihre Blutreinigungskuren.
Weidenrinde und Weidenknopsen enthalten Salizylsäure (ähnlich „Aspirin“), wirken blutverdünnend und antibakteriell, außerdem befreien sie ihn von Rückenschmerzen nach dem langen, kalten Liegen.
Löwenzahn und Wiesenbärenklau sind stimulierend und entschlackend auch auf die Bärennatur. Spitzwegerich und Huflattich nimmt er sich, um seine Atemwege von winterlichen Katarrhen zu reinigen.

Diese 9 Kräuter der „Bärenmedizin“ wurden während des keltisch-germanischen Frühlingsfestes rituell verspeist und landen noch heute in der Gründonnerstagssuppe. (mit einigen Abwandlungen, wie ich festgestellt habe, so gibt man häufig auch Brennessel und Gänseblümchen hinein, sowie Gundermann).

 

Faszinierend, oder?

 

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