"Und was fütterst du deinem Hund so?" 1

Hunde-Ernährung – ein heiß diskutiertes Thema im Internet und auf Hundespaziergängen. Wenige Themen, bei denen es so kontrovers zu geht…. nicht bei Silage-versus-Heu-Fütterung bei Pferdeleuten. Auch nicht bei Trockenfutter-versus-Nassfutter bei Katzenmenschen. Aber die Hundewelt – vor allem die Fachwelt – geht schnell auf die Barrikaden bei diesem Thema! Dabei fällt auf, dass es zwei Lager gibt. Die, die den Hund als Nachfolger des Wolfes sehen (Fleischfresser) und die anderen, die eher sehen, dass „Omas Hunde früher ja auch nur Abfälle bekamen, aber steinalt wurden“ (sie halten Hunde für Allesfresser).

Ich selbst habe meine Ansichten zur idealen Hundefütterung bereits ein paar Mal geändert. Beim ersten Hund (eine Rhodesian Ridgeback Hündin, die wir vor 20 Jahren als Welpe zu uns nahmen) war ich von einem Sack mit Hundetrockenfutter eines Premium-Futterherstellers begeistert, den die Züchterin uns leidenschaftlich empfohlen hatte. Das änderte sich dann aber bereits nach wenigen Monaten, da unsere Hündin unter Juckreiz, entzündeten Ohren und Allergien litt. Rohfleisch akzeptierte sie nicht, sie ekelte sich davor. Die B.A.R.F. Fütterung war auch noch nicht sonderlich verbreitet zum damaligen Zeitpunkt. Es lief darauf hinaus, dass man dem Hund knorpeliges Fleisch oder Pansen vorsetzte, versetzt mit Gemüseflocken. Unser Hund war nicht überzeugt, und ich auch nicht.

Wir wechselten daher zum Kochen für den Hund über, mit ca. 60 % Fleischanteil und Innereien, der Rest gekochter Reis, gedünstetes Gemüse verschiedener Art. Unser Hund wurde spontan gesund und bliebt es über Jahre! Ich hielt anderen Hundehaltern auf Spaziergängen leidenschaftliche Vorträge über diese Ernährung… Sie hörten es sich an, und kauften weiter Premiumfutter-Säcke …;)

Jahre später, als wir extremen Zeitmangel hatten und neben dem Berufsalltag kaum Zeit genug für unsere kleinen Kinder, fütterten wir unserer Hündin – geplagt von schlechtem Gewissen – „nur“ noch ein Nassfutter der gehobenen Preisklasse. Sie mochte es und … sie blieb gesund! Ein Segen.

Obwohl ich damals von Naturheilkunde, Entgiftung etc. noch wenig wusste, wurde unsere Hündin in guter Gesundheit und Beweglichkeit fast 13 Jahre alt. Trotz eines Hundesitter-Rentners, der ihr gern Weißmehl-Brötchen gab, was sich nicht schön an ihrer Figur abzeichnete, doch sie liebte ihren Herrn Schwarz und ging gern mit. Er starb vor ihr.

Seit Jahren erlebe ich – heute als Tierheilpraktikerin und Tierkommunikatorin – in der Beratung von Hundebesitzern sehr viel Unsicherheit in Bezug auf die Fütterung. Viele haben einen kranken Hund, der dann ein spezielles Diätfutter vom Tierarzt verordnet bekommt, welches sich leider nur in der Praxis erwerben lässt… und der Hund mag es nicht mal.

Die meisten Hundebesitzer werden aus Kostengründen einen preiswerten Sack Trockenfutter oder ein paar Dosen für Wauzi aus dem Aldi nach Hause schleppen. Eventuell sind sie diejenigen, deren Hunde diese gelb-orangefarbenen Haufen am Strassenrand hinterlassen. Produkttests nach fragwürdigen Kriterien (Geschmack, Geruch, Anteil Getreide etc.) gibt ihnen häufig sogar noch gute Beurteilungen! Andere kaufen teure Reinfleischdosen, die, auch wenn sie nicht aus Bioproduktion stammen, stattlich das 5-fache vom Aldi-Menü kosten.

Andere Hundeleute wiederum möchten unbedingt barfen (Rohfleisch/ Innereien/ Knochen mit Gemüse füttern), weil Tierheilpraktiker und Futterberater dies oft empfehlen. Aber dann verträgt der Hund vielleicht ausgerechnet Rind und Huhn nicht. Ist dann Strauß oder Pferd eine geeignete Alternative, fragen sich diese. Auf lange Sicht? Oder gibt es andere Möglichkeiten? Wie kann man überhaupt allergisch gegen Fleisch sein, als Carnivor?

Fragt man in Internetforen oder Gruppen, so bekommt man meist die Auskunft, dass Rohfleischfütterung oder ganze Beutetiere das Beste und natürlichste als Fütterung wären. „Geh, hol dir doch ein Huhn beim Bauern. Ich hole sogar Meerschweinchen, Kaninchen…“ habe ich gestern gelesen (wer sie vorher getötet hat, fragt dieser Mensch vermutlich besser nicht).
Jedoch vertragen tatsächlich immer mehr Hunde immer weniger Fleischsorten. Ernähre ich aber meinen Hund mit Pferdefleisch, dann trau ich mich vielleicht ebenso wenig über dieses beliebte Fütterungsthema zu sprechen, als wenn ich den Hund vegan ernähre! In jedem Fall kann ich mit Gegenwind rechnen. Entweder von den Pferdefreunden unter den Hundenleuten oder von der Gruppe der Antiveganer.

Gerade Tierschützer tun sich schwer mit Fleischfütterung, egal ob Rohfleisch oder Dose. Geben sie doch dem erfolgreich geschützten Wauzi den Körper eines anderen Tieres, das vielleicht noch leben wollte, aber für den niemand eingetreten ist. Es ist eine Zwickmühle! Ich rette also einen Hund aus der spanischen Tötungsstation und fühle mich gut. Aber dann gebe ich ihm Fleisch von Tieren, denen es vielleicht noch schlechter ging? Die vielleicht noch weniger vom Leben hatten?

Ein Teil von umweltbewusster und dem ganzheitlichem Tierschutz verpflichteten Menschen füttert daher seinen Hund vegan oder vegetarisch. Sie teilen sich die Rezepte „unter der Hand“ mit, da diese Fütterungsform noch immer auf viel Wiederstand stößt. (Selbst wenn es mittlerweile erste sehr positive Forschungsergebnisse zu den Resultaten veganer Fütterung gibt).

Und sogar erste Hunde-Futtermittel mit Protein aus Insekten gibt es! Brekkis aus Heuschrecken, oh Schreck! Aber sie sollen wirkungsvoll bei Allergikern sein, wird in meinen Fachkreisen gemunkelt.
Ich hoffe, ich habe nichts vergessen! Wenn doch, kannst du gern die fehlende Fütterungsart in den Kommentaren ergänzen.

Ich selbst verurteile niemand für etwas, was er oder sie füttert. Wenngleich ich natürlich – ähnlich wie die meisten THP – die Erfahrung gemacht habe, dass Hunde, die mit stark konservierten, industriell verarbeiteten Futtersorten gefüttert werden, meist übergewichtig und auf Dauer krank werden. 🐕Naja, und fette Hunde bekommen ebenso Diabetes, Bluthochdruck, Herzerkrankungen und Stoffwechselstörungen wie übergewichtige Menschen!

Unser Weg ist daher ein „Weg der Mitte“. Möglichst frische Futtermittel verwenden, möglichst schadstoffarm, möglichst vitalstoffreich füttern.
Ob es dann 30 oder 50 % Fleischanteil sind, spielt für meine Hunde nicht so die Rolle. Die sind fit wie Turnschuhe. Auch der jenige unserer Wauzis, den wir schwer kränkelnd und halbgelähmt aus dem Tierschutz holten, erholte sich damit.

In Zukunft werde ich aber weiter experimentieren und diejenigen, die vegan füttern, intensiv im Auge behalten. Denn mittlerweile ist klar, dass man nicht nur mit einer Methode das erreichen kann, was wir alle für unsere Hunde wünschen: Ein langes, gesundes Leben!

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