Heiße Tage Pferde

Während ich dies schreibe, sitze ich mit meinem Laptop im abgedunkelten Wohnzimmer,…

… durch dessen heruntergelassene Jalousien einige diffuse Sonnenstrahlen dringen. Meine Hunde liegen ebenfalls hier, denn das Wohnzimmer ist neben dem Keller der zu Zeit kühlste Raum im 3-geschossigen Bauernhaus. Kein Vergleich zu dem sonnendurchfluteten Büro. Und draußen brennt die Sommersonne mit 36 Grad vom wolkenlosen Himmel herab und färbt die vom feuchten Frühjahr grünen Wiesen allmählich gelb-braun.

Wird es wieder ein so heißer Sommer wie im letzten Jahr? Mit Dürre?

Darunter würden nicht nur die Menschen leiden, sondern auch die Tiere und die Pflanzen. Den Mineralien wäre es wahrscheinlich egal…

Alle Tiere, die ich danach gefragt habe, versicherten mir, dass sie nichts so beschwerlich finden, wie die Hitze des Sommers. Das gilt für die Haustiere / Stalltiere ebenso wie für die paar Wildtiere, die wir in unserer Kulturlandschaft noch haben. (Nur Fliegen und Bremsen finden die Hitze toll).

Natürlich kann ich niemand raten, bei Hitze mit dem Hund spazieren zu gehen. Wobei das sicherlich für diejenigen ohne eigenen Garten manchmal unumgänglich ist. Morgens und abends mögen viele Hunde auch im Sommer ausgeführt werden, je nach Felllänge und Konstitution auch nur kurze Strecken.

Unser Kurzhaar Rüde (Jagdhund-Mix) erträgt die Hitze nur sehr schlecht. Er braucht alle paar Hundert Meter etwas zu trinken. Hier eignen sich spezielle Hundetrinkbehälter mit integriertem Napf. Oder man läuft gleich am Ufer eines Baches entlang. Meine frühere Ridgeback Hündin konnte Hitze auch nicht ertragen, und das, obwohl die Rasse aus Afrika stammt!

Am besten ist es für meine Hunde, wenn wir nur vor 10.00 Uhr und nach 20.00 Uhr draußen herum laufen. Den Rest der Zeit möchten sie im Schatten dösen. Autofahren finden sie furchtbar, wenn das Auto aufgeheizt ist. Sie sabbern mir den ganzen Kofferraum voll und fühlen sich schlecht, bis die Klimaanlage die Innentemperatur des Autos auf ein erträgliches Maß reduziert hat. Also fahren wir nur Auto, wenn es unbedingt sein muss oder in den kühleren Stunden des Tages.

Die Pferde leiden auch sehr unter Sommerhitze.

Sie suchen Schattenplätze auf und stehen eng beisammen, um sich gegenseitig Schatten zu spenden. Nase an Schweif stellen sie sich auf, um sich gegenseitig die Bremsen wegzuwedeln. Dazu ist ein Schweif sehr gut geeignet… Sie teilen mir mit, dass sie Kälte und Regen weniger schlimm finden, als Hitze. Vor allem, weil sie dann auch noch von Bremsen geplagt werden. Sogar eine Bremsenart wurde nach ihnen bekannt, sicher nicht ohne Grund: die Pferdebremse (Tabanus sudeticus), sie wird bis zu 3 cm groß und ihre Beißwerkzeuge sind gigantisch. Als Pferdebesitzer oder Reiter bist du sicher auch schon auf die Idee gekommen, lieber mit langen Hosen zur Stallarbeit zu erscheinen, denn die Bisse der Bremsen stellen jeden Mückenstich in den Schatten…
Soll ich erwähnen, dass wir hier ein reiches Angebot an Erregern übertragen bekommen können?

All dies muten wir unseren Pferden zu, wenn wir ihnen keinen Schatten bieten.

Leider tun dies viele Stallbesitzer, mit abgeteilten Koppeln ohne jeden Baum. Ich jedenfalls bin unglaublich froh, dass meine Stute an einem Stall steht, wo es Bäume auf der Weide und in der Gluthitze einen schattigen bremsenfreien Stall gibt. Mit Freude kommt die Herde angaloppiert, um sich ab 30 Grad aufstallen zu lassen.

Draußen auf der warmen Weide stehen sie ruhig und friedlich beisammen, in altersgemischter Gruppe und helfen sich gegenseitig über die anstrengenden heißen Wochen. Welchen Stress würde jetzt hier ein unsoziales, frustriertes Pferd bedeuten, dass rangniedrigere Tiere immer wieder von den bevorzugten Plätzen verjagt! Unsere Stute musste das leider schon erleben, ich hoffe, nie wieder. Denn leider kann sich kein Pferd dann einfach selbst eine andere Herde aussuchen. Rangniedrigere Pferde müssen das einfach ertragen, zusätzlich zur Hitze.

Eigentlich sollte der Weidegang im heißen Hochsommer eher nachts erfolgen, denn die Hitze stresst und belastet die Pferde, aber auch die Weide selbst. Das Weidegras, vor allem auf einer abgegrasten Weide, hat in der Hitze der Mittags- und Nachmittagsstunden einen besonders hohen Fruktangehalt, und das bekommt stoffwechselkranken Pferden gar nicht.

Ich meine, Reiten und Bodenarbeit sollte man komplett ausfallen lassen, solange das Thermometer 30 Grad übersteigt.

Natürlich auch die Turniere, die im Sommer so häufig stattfinden. Es ist eine Schinderei. Nicht ohne Grund dösen die meisten Pferde bei Hitze im Schatten, wenn man sie lässt. Sie können so wie die Menschen auch Kreislaufprobleme bekommen und kollabieren, wenn sie sich bei Hitze körperlich anstrengen müssen. Reitstunden gehören heute abgesagt, dem Pferd zuliebe!

Zum Glück habe ich mein Leben so eingerichtet, dass ich die Interessen meiner Tiere weitgehend berücksichtigen kann.

Das war nicht immer so! Wer zu bestimmten Uhrzeiten trotz Hitze seinen Hund im glühheißen Auto zur Hunde-Nanny bringen muss, dem nützt ein schattiges Wohnzimmer wenig. Und viele Pferdebesitzer haben überhaupt keinen Einfluss auf Weide- oder Stallzeit ihres Pferdes, nicht mal bei der Fütterung dürfen sie mitreden!

Dabei sind die Haltungsbedingungen und auch die Fütterung in den extremen Jahreszeiten besonders wichtig für die Gesundheit und das Wohlbefinden des Pferdes.

Wenn du die Tiere selbst fragst, was sie sich wünschen, dann zeigen sie es dir.

Es sind bei Pferden oft die einfachen Dinge, wie Freunde, Ruhe, Schatten, Wasser, Schutz vor Fliegen.

Bei Hunden ist es nicht viel anders. Viele von ihnen haben zudem große Angst vor fliegenden Insekten. Sie wünschen sich nicht zuletzt deswegen schattige Plätze. Noch immer haben viele Hundebesitzer nicht verstanden, wie schnell ein überhitztes Auto zur Todesfalle für wartende Hunde werden kann. Bei hohen Temperaturen nützen auch offene Fensterschlitze wenig. Es ist traurig, dass es jeden Sommer zu vermeidbaren qualvollen Hitzekollapsen bei Hunden kommt deren Besitzer nur mal kurz etwas besorgen wollten. Und da Hunde nicht mit in den Laden dürfen, bleiben sie im Auto. Im Sommer kann das fatale Folgen haben.

Modeverrücktheiten wie Hundeeis oder vereistes Futter für Hunde im Sommer – davon rate ich aus Gesundheitsgründen ab.

Kühldecken für Langhaarhunde können dagegen eine echte Erleichterung sein.

Bei allem, was man an kühlenden Angeboten macht (nasse Handtücher, Mini-Pools, Erfrischungen jeder Art)  sollte man darauf achten, dass es nicht zum Zwang wird und der Hund sich auch entziehen können muss.

Meine Tiere jedenfalls sind auch bei heißem Wetter gut drauf, sie danken mir die Fürsorge mit stabiler Gesundheit, die ich stets vor negativen Einflüssen schütze. Nicht vor allem kann man seine Tiere schützen, aber das, was in unserer Macht liegt, sollten wir beherzt tun (bzw. meist ist es eher ein Unterlassen, mit dem wir den Tieren den größten Gefallen tun).

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