Warum du niemals alles richtig machen kannst … und es auch nicht versuchen solltest

Als ich meinen ersten Hund, eine wunderschöne Ridgeback Hündin, in mein Leben kam, hatte ich keinerlei Erfahrung. Also tat ich das, was viele verantwortungsbewusste Tierhalterinnen tun: Ich wollte alles richtig machen. Ich fütterte das Futter, das ihre Züchterin mir empfohlen hatte, ich besuchte den angesagtesten Hundeplatz. Ich hörte auf Trainer und folgten den Ratschlägen von Tierärzten. Ich las, recherchierte und orientierte mich konsequent an dem, was so allgemein gesagt wurde über die beste Hundehaltung.

Und am Ende ihres ersten Lebensjahres war meine Hündin so krank wie später nie wieder. Sie entwickelte Symptome, die wir uns nicht erklären konnten, und ich suchte noch intensiver nach Antworten. Im Internet, in Foren, bei Fachleuten – doch jeder sagte etwas anderes. Mehr Bewegung. Weniger Bewegung. Anderes Futter. Andere Medizin. Ich war verwirrt. Und mein Hund konnte mir nicht sagen, was richtig war. Zumindest konnte ich sie damals noch nicht verstehen.

Die Illusion vom einen richtigen Weg

Vielleicht kennst du dieses Gefühl. Dieses ständige Suchen nach der perfekten Lösung. Die Hoffnung, endlich den einen Weg zu finden, der garantiert für euer gemeinsames Glück funktioniert. Etwas wovon du keinesfalls abweichen willst (und es dann irgendwann doch tust für die nächste verheißungsvolle Methode oder Produkt).

Doch ein Blick in unsere Gesellschaft zeigt, wie relativ diese Vorstellung ist, dass es einen richtigen Weg gibt. Es gibt Menschen, die ihre Hunde auf dem Hundeplatz für Schutzarbeit am Beißarm von Trainern 360 Grad herumwirbeln lassen. Andere lassen ihre Tiere kaum aus dem Garten oder Zwinger, wieder andere behandeln sie wie Familienmitglieder auf Augenhöhe. Jede Gruppe ist überzeugt, es richtig zu machen. Allein das zeigt: Es gibt nicht das eine „richtig“. Hunde leben seit Zig Tausenden von Jahren beim Menschen, und ihre Haltung hat sich immer wieder verändert. Dennoch existieren sie – anpassungsfähig wie sie sind – weiterhin erfolgreich in unserem Leben. Dasselbe gilt für Pferde oder Katzen. Die Idee, alles perfekt machen zu müssen, ist daher weniger ein Naturgesetz als ein gesellschaftlicher Anspruch.

Wenn Perfektion dich von deiner inneren Stabilität trennt

Irgendwann, als die Not und Verwirrung zu groß wurde und ich wütend genug war (mein Hund und ich wir hatten genug durchgemacht), traf ich eine Entscheidung. Ich wählte einen Weg, der für mich stimmig war – nicht als allgemein anerkannte Wahrheit, sondern als meine persönliche Entscheidung. Wir setzten stärker auf Naturheilkunde, verzichteten auf Hundesport und verbrachten viel Zeit in der Natur und mit Menschen, die ähnlich dachten. Ich legte irgendwann weniger Wert auf Gehorsam bei meinem Hund und mehr auf Beziehung zu ihr.

Der Wendepunkt für unser Glück und die Genesung meines Hundes war keine neue Methode, sondern meine innere Entscheidung, tatsächlich einen älteren Weg zu gehen. Ich gab damals eher die neueren Methoden auf. Aber das war etwas, das für mich passte, und genau das ist der entscheidende Punkt!

Wenn du versuchst, alles perfekt zu machen, verspannst du dich.

Du orientierst dich ständig im Außen, vergleichst dich und reagierst auf Trends. Dabei verlierst du deine eigene Klarheit. Vielleicht lohnt es sich, dir ehrliche Fragen zu stellen:

  • Warum mache ich das so?
  • Wem möchte ich gefallen?
  • Welche Erwartungen erfülle ich gerade?

Oft merken wir dann, dass wir Dinge tun, hinter denen wir innerlich gar nicht stehen.

Deinen eigenen Weg finden – für dich und dein Tier

Die Lösung liegt nicht darin, alles richtig zu machen. Die Lösung liegt darin, deinen eigenen Weg zu finden.

Wenn du ein Pferd hast und keine Lust auf Reiten hast, dann reite nicht. Wenn du keinen Hundesport oder Gehorsamkeitstraining möchtest, dann lass es und finde einen eigenen Weg, dich gut zu verständigen. Vielleicht liebt dich dein Hund dafür umso mehr.

Wenn du lieber ruhig durch die Landschaft ziehst, dann suche dir Menschen, die das genauso sehen. Dein Tier braucht keine perfekte Halterin. Es braucht einen Menschen, der bei sich selbst angekommen ist.

Tierkommunikation kann dabei unterstützend wirken, weil sie oft das bestätigt, was dein Bauchgefühl längst weiß. Doch im Kern geht es um deine Authentizität. Wenn du aufhörst, perfekt sein zu wollen, entsteht Leichtigkeit. Dein Tier reagiert auf deine innere Ruhe und auf deine Präsenz. Vielleicht beginnt echte Verantwortung nicht im Außen, sondern in deiner inneren Kraft.