Bin ich die Mama meines Tieres?

In den letzten Jahren höre ich immer öfter einen Satz, der mich zum Nachdenken bringt.

„Meine Katze ist mein Fellkind.“
„Ich bin die Mama meines Hundes.“

Vielleicht hast du solche Formulierungen auch schon gehört. Vielleicht hast du sie selbst einmal benutzt. Und ehrlich gesagt: Ich kann echt gut verstehen, wie es dazu kommt.

Wer mit einem Tier lebt, entwickelt oft eine tiefe Zuneigung. Man kümmert sich um sein Wohlbefinden, sorgt für Sicherheit und möchte, dass es ihm gut geht. Vor allem, wenn wir ein junges Tier zu uns holen, wollen wir es bemuttern. In solchen Momenten fühlt sich unsere Beziehung zu diesem Wesen manchmal fast so an wie die zu einem Kind. Das ist auch irgendwie ganz natürlich und es sind zutiefst menschliche Eigenschaften. Und es sind auch elterliche Instinkte in uns, die ohne Haustiere teilweise brach liegen würden, z.B. wenn wir keine Kinder oder Enkel haben.

Aber unser Tier wird irgendwann erwachsen. Und dann? Ist ein erwachsenes Tier wirklich unser Kind?

Wirklich „Mama“ statt „Frauchen“?

Hunde und Katzen lösen bei uns ganz natürliche Fürsorgeinstinkte aus. Sie haben große Augen, ein weiches Fell, ein verspieltes Verhalten… sie sind anhänglich und natürlich auch irgendwie abhängig von uns. All das spricht etwas in uns an, das wir auch bei Kindern empfinden könnten.

Was dazu kommt: unsere felligen Familienmitglieder können uns emotional sehr nah sein. Sie begleiten uns durch unseren Alltag, teilen unsere Ruhezeiten und unsere Spaziergänge, schlafen vielleicht sogar in unserer Nähe. Sie werden für viele Menschen enge und hingebungsvolle Lebensgefährten!

In einer Welt, in der Beziehungen oft kompliziert sind, wirkt die Beziehung zu Tieren manchmal einfacher und klarer. Sie urteilen nicht über uns, bewerten uns nicht, stellen keine komplizierten Fragen und sind einfach da. Und vor allem sind sie ehrlich und halten zu uns.

Vor allem aber ihre Abhängigkeit von uns kann dazu führen, dass wir unsere Rolle ihnen gegenüber wie eine Elternrolle empfinden. „Ich bin Hundemama“, „Papa von 2 Katzen“ und ähnliche Bezeichnungen sind die neuen Titel von überzeugten TierhalterInnen. Und irgendwie wirkt dieser Titel auch charmanter als das frühere „Frauchen und Herrchen“. Aber denk trotzdem drüber nach, was es mit dir und dem Tier macht, wenn du dich zu seiner Mama oder zu seinem Papa erklärst.

Titel wie Namen tragen Programme und eine eigene Dynamik in sich.

Und erwachsene Haustiere sind definitiv keine Kinder (mehr)

So liebevoll diese Vorstellung auch sein mag – erwachsene Haustiere sind keine Kinder mehr. Warum solltest du sie künstlich klein halten? Sie sind erwachsene Tiere, haben andere Bedürfnisse und eine eigene Würde. Diese Würde übergehen wir, wenn dem Tier den Dauer-Kindheitsstempel aufdrücken.

Haustiere haben eine andere Natur als Kinder. Und ein Tier möchte nicht genau wie ein Mensch behandelt werden. Es möchte in seiner eigenen Art und seiner altersgerechten Reife gesehen und respektiert werden.

Wenn wir Tiere als Kinder betrachten, kann es passieren, dass wir ihre Bedürfnisse unbewusst vermenschlichen. Wir interpretieren ihr Verhalten mit menschlichen Maßstäben oder versuchen, sie übermäßig zu beschützen.

Manche Tiere werden dadurch sogar verunsichert.

Ein Hund beispielsweise fühlt sich nicht sicher, wenn sein Mensch ständig ängstlich oder überbesorgt ist. Er braucht stattdessen Orientierung und Stabilität, um sich sicher zu fühlen. Keine Dauer-Bemutterung.  Bei Katzen ist es nochmal etwas anders, diese Geschöpfe haben eine naturgegebene Unabhängigkeit und könnten in der Natur als Einzelgänger leben. Beim Menschen verlieren Katzen diese Unabhängigkeit, benötigen aber vom Wesen her noch weniger Bemutterung als Hunde. Jedoch sind Wohnungskatzen auf regelmäßige Betreuung und Ansprache angewiesen.

Aber sind die Stubentiger deswegen unsere Babys? Wollen wir vielleicht unsere Elterninstinkte durch die Haustiere ausleben? Das kann auf deren Kosten gehen und unsere Beziehung auf Dauer schwächen.

Noch schlimmer: Es hält dich selbst klein!

Eine neue Rolle, die Augenhöhe und Wachstum ermöglicht

Mit der Zeit habe ich für mich eine andere Sichtweise gefunden. Eine Rolle, die sich für mich stimmiger anfühlt als die der „Mama“.

Ich bin die Begleiterin und Hüterin meines Tieres.

Eine Hüterin ist jemand, der Verantwortung übernimmt, ohne das Wesen des anderen zu verändern. Sie sorgt für Schutz und ideale Lebensbedingungen, aber sie respektiert gleichzeitig die Natur und die individuellen Bedürfnisse des Tieres. Sie knuddelt ihr Tier und bewundert oder erliegt sogar seinen Charme, aber lässt ihm seine Persönlichkeit und seine seelische Reife.

Eine Hüterin versucht nicht, ihr Tier zu einem Menschen zu machen oder zu verniedlichen. Sie erlaubt ihm, ganz Tier zu sein und Wachstum zu erleben. Und sie übernimmt Verantwortung für ihren eigenen inneren Zustand und die Erfüllung ihrer eigenen Bedürfnisse als Mensch.

Eine Beziehung auf Augenhöhe

Wenn wir beginnen, unsere tierischen Freunde als erwachsene Tiere zu betrachten, verändert sich oft auch unsere Beziehung zu ihnen.

Sie wird freier.
Respektvoller.
Und manchmal sogar tiefer.

Wir kümmern uns weiterhin um ihr Wohlergehen – aber aus einer Haltung der Klarheit und Verbundenheit, nicht aus übermäßiger Sorge.

Vielleicht bist du also nicht die Mama deines Tieres.

Vielleicht bist du etwas anderes.

Vielleicht bist du seine Hüterin.

Und vielleicht beginnt genau dort eine Form der Beziehung, in der beide wachsen können – Mensch und Tier.

Laß mich ganz ehrlich sein: ich unterliege regelmäßig dem Charme und den Possen meines niedlichen Hundes. Aber ich sehe auch, dass sie mittlerweile 11 Jahre alt ist und eine sehr entschiedene, dominante Hündin ist. Da ich nicht ihre Hundemama bin, kommen wir super miteinander aus – auf Augenhöhe!

Es geht um einen inneren Perspektivwechsel – nicht um anderen Titel oder Begriff

Es ist nicht die Bezeichnung allein, die alles ändert. Es ist der damit verbundene Perspektivwechsel zu deinem Tier. Wenn du den „Mama-Blick“ beibehältst, bleibst du auch die Mama deines Tieres, mit allen Nachteilen dieser undankbaren Rolle (z.B., wenn dein vierbeiniges Kind mal alt wird und vor dir in die geistige Welt übergeht und du dann möglicherweise viel zu lange Zeit trauerst).

Doch wenn du dich, dein Tier und eure Beziehung von einem höheren Standpunkt als betrachtest, findest du automatisch in eine bessere Rolle hinein. Eine Rolle, die weniger auf Sorge und Betütteln basiert, sondern auf Augenhöhe und seelischem und physischem Wachsen und Gedeihen.

Wenn dich dieser Perspektivwechsel berührt, lade ich dich zu meinem Live-Transformations-Event ein, in dem wir gemeinsam erforschen, wie dieser Schritt von der Tierhalterin zur Tierhüterin auch in deinem Leben entstehen kann.

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